Bewußter Umgang mit Konflikten
- ein Seminar für Führungskräfte - *)


Wir möchten in unserem Artikel stichwortartig dieses Seminar darstellen, um den LeserInnen einen Überblick und ersten Eindruck zu verschaffen, wie ein bewährtes Konfliktseminar aussehen kann. .......


Der Kontext

Seit 5 Jahren bieten wir im Rahmen der Führungskräfteentwicklung in einem großen Versicherungsunternehmen ein Seminar zum Thema Konflikt an. .......
Die Bereitschaft und Offenheit, sich mit dem Thema Konflikt auseinanderzusetzen, hat im Unternehmen und bei den Führungskräften deutlich zugenommen. Dahinter stehen organisationsinterne Entwicklungen, die es notwendig machen, im Arbeitsalltag mehr zu kooperieren und eigenverantwortlich zusammenzuarbeiten. Dabei werden Konflikte natürlich deutlicher und weniger leicht vermeidbar als in einer traditionell hierarchisch-autoritären Struktur .


Der Titel

....... Uns geht es, bei aller grundsätzlichen Lösungsorientierung, nicht darum, jeden Konflikt zu lösen. Unser Anliegen ist vielmehr, Konflikte zunächst einmal bewußt wahrzunehmen und dann zu entscheiden, was zu tun ist. Deshalb heißt der Titel jetzt: "Bewußter Umgang mit Konflikten".


Theoretischer und methodischer Hintergrund

Als theoretische Rahmenkonzepte und Methoden für unsere Arbeit nutzen wir TZI .......und den systemischen Ansatz ........

Ein weiterer methodischer Fokus ist Lösungsorientierung aus der Weiterentwicklung des Ansatzes von MILTON ERICKSON.......

Methodisch nimmt das Pädagogische Rollenspiel mit unterschiedlichen Arbeitsformen ....... einen zentralen Platz ein.


Themen im Seminar - eine Kombination aus Pflicht und Kür

... einige Grundelemente, die wir immer einbauen, weil sie sich in mehrjähriger Erfahrung bewährt haben und durch die Evaluationen bestätigt wurden.

· Dazu gehören die Themen:

· Meine Geschichte mit Konflikten und ihre Bedeutung für mein gegewärtiges Verhalten in Konfliktsituationen im Berufsalltag

· Ressourcen für die persönliche Weiterentwicklung zum Verhalten in Konfliktsituationen

· Identifikation mit einem Konfliktpartner

· Konflitkanalyse unter systemischen Gesichtpunkten .......

· Verhaltenstypen in Konflitsituationen nach SATIR .......

· Konfliktlösungsmodell (GORDON; HARVARD-Modell)

· Rekonstruktion schwieriger Konfliktsituationen in Rollenspielen und Sulpturarbeit

· Fragemethodik aus dem systemischen Ansatz (fokussierende, zirkuläre und hypothetischeFragen, spezielle Anfokussierungen des Lösungsraums durch „Wunderfrage“ sowie Erweiterung des Wahnnehmungsspektrums durch Verschlimmerungsfragen

· Formulieren komplexer Ich-Botschaften
.......


Fazit

Für uns hat sich bewährt, in kontinuierlicher Rückkoppelung mit den Teilnehmern über 5 Jahre hinweg ein Konfliktseminar zu entwickeln und schrittweise zu optimieren, dessen wesentliche Merkmale folgende sind:

  • Teilnehmer- und Prozeßorientierung unter strikter Beachtung des
    Kontrakts
  • Kombination thematischer "essentials" und variabler Anteile
  • Orientierung am und für den Berufsalltag der Teilnehmer
  • Verbindung von TZI, systemischem und lösungsorientiertem Ansatz als theoretischer und methodischer Hintergrund
  • inhaltlicher Akzent auf Autonomie und Interdependenz, eigene Interaktionsbeiträge und Wechselwirkungen sowie Fokusverschiebung vom Problem auf Lösung
  • Wechsel von Analyse, Rollenspiel, Inputs, Übungen und Reflexion
  • zentraler Platz erlebnisaktivierender Methoden, die die ganze Person ins
  • (Rollen-) Spiel bringen
  • Balance von öffentlichem und verborgenem Lernprozeß
  • Ergänzung der spezifischen Möglichkeiten von externem und internem TrainerIn
  • klarer, konsensorientierter Umgang mit Anliegen und Einwänden der Teilnehmer.

*) Bühmann, Ursula & Osselmann, Jörn, Bewußter Umgang mit Konflikten. Ein Seminar für Führungskräfte, In: TZI und Wirtschaft, 4, 1998, 29-34

© Jörn Osselmann 1998