Lösungsorientierung


Lösungsorientierung - darunter verstehe ich die Orientierung von Klienten und Experten auf Lösung hin. Und zwar Lösung von etwas, das vom Klienten als Problem definiert, erlebt und verstanden wird.

Das bedeutet natürlicherweise immer auch Orientierung auf Zukunft hin, auf eine bessere, gelöste Zukunft. Dieses Interesse an der Zukunft ist allerdings nicht ausschließend gemeint: Die Beschäftigung mit der Vergangenheit behält da ihren Platz, wo sie zieldienlich und hilfreich für die Erarbeitung von Lösung ist. Das ist vor allem und immer dann der Fall, wenn vorübergehend verlorengegangene oder z.Zt. nicht genutzte Kompetenzen und Ressourcen aus der Vergangenheit für eine Lösung reaktiviert werden sollen.

Grundlegend für diese Orientierung auf gelöste Zukunft hin ist der Gedanke der Problemkonstruktion versus Lösungskonstruktion, bzw. der Problemtrance und der Lösungstrance. Damit sind zwei Stichworte vom theoretischen Hintergrund benannt: ”Konstruktion" als Zentralbegriff des sog. Konstruktivismus, und ”Trance" aus dem Bereich der ERICKSONschen Hypnotherapie. Eine dritte Quelle für Lösungsorientierung, wie sie hier verstanden wird, ist der systemische Ansatz. Zu seinen wesentlichen Merkmalen gehört die Frage nach den kontextuellen Bedingungen von Denken und Verhalten - speziell nach den Auswirkungen in wichtigen äußeren und inneren Beziehungssystemen. Systemisches Denken geht davon aus, daß vermutete, halbgewußte Auswirkungen darüber entscheiden, ob der ”Preis" einer Lösung als angemessen erlebt wird. Oder ob doch lieber das Problem gelebt wird, weil der Preis einer Lösung zu hoch erscheint.

Um eventuellen Mißverständnissen vorzubeugen: Lösungsorientierung behauptet nicht, daß alles lösbar sei. Es bleiben unlösbare Fragen unserer menschlichen Existenz. Es bleiben alltägliche Unlösbarkeiten, wenn z.B. in Zeiten knapper Kassen ein unlösbares Problem zwischen Sparzwang und Erfüllung wertbezogener Aufträge entsteht. Lösungsorientierung heißt in einem solchen Falle der möglichst optimale Umgang mit dem Unlösbaren - etwa im Sinne von Anerkennung für den eigenen verantwortlichem Umgang mit den existierenden Zwängen.


© Jörn Osselmann 2000